Alfa Romeo 4C – sportliches Nischenmodell

Jeder, der etwas für Autos übrig hat, muss das mit Trauer beobachtet haben. Auch mit Sorge, vielleicht sogar mit Ärger. Wie Alfa Romeo, eine der großen, italienischen Automarken, mit einer langen Rennsport-Historie und einem Ruf für sportlicheModelle in jedem Segment, über die Jahre immer mehr zu einem Schatten der Vergangenheit wurde.

Zuletzt hatten die Italiener – offenbar vernachlässigt durch die Konzernmutter Fiat noch ganze zwei Autos im Programm: den Mito und die Giulietta. Keine schlechten Autos, sicherlich, aber eben ein Kleinwagen und ein Kompaktklässler. Emotional ist was anderes. Ein leichtgewichtiger Sportwagen mit Mittelmotor zum Beispiel. Ein Auto, dessen objektiver Nutzen gegen null geht. Und das ungefähr so viel kostet wie ein üppig motorisierter Kombi der Oberen Mittelklasse.

Alfa Romeo hat dieses Auto gebaut. 4C heißt der aufreizend kompakte Sportler. Er misst 3,99 Meter in der Länge, ist nur 1,18 Meter flach und holt 240 PS aus einem 1,8-Liter-Turbo, die per Sechsgang-Doppelkupplungs-Getriebe ausschließlich an die Hinterräder geschickt werden. 4,5 Sekunden vergehen, bis der Kleine auf Tempo 100 ist. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 258 km/h. Der Vierzylinder (daher auch der Name4C, also „Quattro Cilindri“) ist vom Prinzip her aus der sportlichsten Version der Giulietta bekannt, doch der Motorblock wurde aus Aluminium gegossen, nicht aus Eisen.

Das spart 22 Kilo Gewicht. Und Gewicht ist schließlich das große Thema beim 4C. Nach heutigen Maßstäben federleichte 895 Kilo bringt der 4C nur auf die Waage, was die Leistung und das Drehmoment von 35O Newtonmeter noch mal in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Als der 4C 201l erstmals als Studie gezeigt wurde, mochte man kaum glauben, dass er tatsächlich mal so in Serie gehen würde. Das Chassis aus superleichter und superteurer Kohlefaser, ansonsten viel Kunststoff und nur im Vorder- und im Hinterbau Aluminium. Und Metallstrukturen in den Türen für die Crashsicherheit. Eine Servolenkung existiert nicht, Radio und Klimaanlage können abbestellt werden, um Gewicht zu sparen,ein Navi wird gar nicht angeboten. Kofferraum und Tank sind gleich groß und fassen je 40 Liter.

Eine Fahrmaschine ist der 4C also geworden, eine Auto für die Nische, dessen Bedeutung für die Marke Alfa Romeo aber weit über die 3 500 Exemplare, die pro Iahr gebaut werden können, hinausreicht. Der 4C muss die Marke wieder emotional aufladen, die derzeit eigentlıch so gut wie scheintot ist. Man musste schon Angst haben, dass sie irgendwann komplett eingestellt wird. Oder, dass Volkswagen sie übernimmt.

Der Konzern hatte mehrfach öffentlich Interesse bekundet. Der 4C gibt Hoffnung. Immerhin ist es ein verdammt mutiger Schritt, ein so aufwändiges Auto zu konstruieren, dass dem Zeitgeist so frontal entgegenfährt. Dafür ist aber auch quasi konkurrenzlos. Nur Lotus baut ähnliche Autos. Kompromisslos auf Sportlichkeit getrimmte Zweisitzer, die die Alltagstauglichkeit der Leichtigkeit unterordnen und sich nur in homöopathischen Dosen verkaufen. Lotus hat, nicht zuletzt deswegen, ernsthafte wirtschaftliche Probleme.

Die hat Alfa auch, und der 4C wird sie kaum losen. Schon wegen der geringen Stückzahlen (in Deutschland sollen jährlich 300 bis350 Exemplare abgesetzt werden), aber auch wegen der aufwändigen Konstruktion. Und dabei sind aus den ursprünglich angepeilten 45.000 Euro Einstiegspreis nun doch 50 500 Euro geworden. Ein Porsche Cayman kostet keine 1 000 Euro mehr, ein Lotus Elise S (220 PS, 0- 100 km/ h in 4,6 Sekunden) ist für rund 3 000 Euro weniger zu haben.

Der 4C wird es kaum schaffen, Alfa Romeo alleine aus der Misere zu ziehen, die ebenso emotional wie wirtschaftlich ist. Um erfolgreich zu sein, braucht es weitere Modelle, die Alfas sportlichem Anspruch gerecht werden und glaubwürdig die Rennsport-Historie verkörpern. Der 4C kann nur ein Anfang sein. Ein sehr guter Anfang, doch bis 2015 steht er allein da. Dann bekommt er hoffentlich Verstärkung durch den neuen Spider.

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