Infiniti Q50 – technisch der Konkurrenz weit voraus

Infiniti hat einfach die Namen geändert. Das protzige SUV FX heißt fortan QX70, das kleinere SUV EX heißt QX50, die Limousine M heißt Q70. Der Namenswechsel dürfte zumindest in Europa niemanden verwirren. Die Autos von Nissans Nobelmarke kannte hier bislang ohnehin kaum jemand.

Mit dem brandneuen Q50 (die Mittellklasse-Baureihe hieß bislang G) könnte sich das ändern. Er ist das erste Modell, dasfür eine europäische Kundschaft entwickelt wurde und für den es einen massentauglichen Diesel gibt. Dass er sich optisch von der etablierten Konkurrenz abhebt, wird helfen. Beim Einsteigen fallen sofort die beiden großen Bildschirme auf, die übereinander in der Mittelkonsole platziert sind. Der untere steuert die meisten Fahrzeugfunktionen. Die Vielfalt an Optionen und Informationen überfordert zunächst etwas, nach etwas Übung kommt man aber ganz gut zurecht.

Fein verarbeitet und interessant gestaltet ist das Interieur auch, die Materialien sehen gut aus und fühlen sich auch so an. Der 2,2-Liter-Diesel ist ein alter Bekannter. Er stammt vom Kooperationspartner Mercedes. Mit 170 PS und 400 Newtonmetern Drehmoment hat er keine Mühe mit dem Q50. Wird er gefordert, ist er etwas brummig, aber im Innenraum spürt man davon nur Wenig. Rund sechs LiterVerbrauch sind bei normaler Fahrt möglich (Norm: 4,4 Liter).

Ähnlich genügsam ist der Hybrid, der sich tatsächlich fast auf den Normverbrauch von 6,2 Litern bringen lässt. Das liegt vor allem daran, dass er viel im reinen Elektromodus läuft, und das sogar bei Geschwindigkeiten jenseits der 80 km/h. Doch der Hybrid hat noch eine andere Seite. Die Kombi aus 3,5-Litel Benziner und Elektromotor mobilisiert satte 364 PS und 546 Newtonmeter Drehmoment 5,1 Sekunden vergehen, bis Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt. Ein prima Hybrid-System ist in jeder Hinsicht.

Das spannendste am Q50 ist aber, dass er das erste Serienfahrzeugist, bei dem es keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Vorderrädern gibt. Dieses rein elektrische „Drive by Wire“ ermöglicht Infinitis Dynamic Adaptive Steering (DAS). Damit lassen sich Übersetzung und Gewichtung der Lenkung in bislang unbekannter Bandbreite variieren. Wo eben noch ein halber Lenkeinschlag für den Slalom nötig War, reicht nach einem kurzen Tastendruck wenig mehr als ein kleiner Impuls. Außerdem sorgt Drive by wire dafür, dass selbst größte Unebenheiten das Lenkrad völlig ungerührt lassen.

Infiniti kombiniert sein DAS zudem mit einem Spurhalteassistenten, der im Gegensatz zur Konkurrenz, mit kaum merklichen Lenkimpulsen die Spur hält. Leider ist Active Lane Control erst ab 70 km/h aktiv und es folgt nur sehr sachten Kurven. Komplett autonomes Fahren ist also nicht möglich.

Und leider fühlt sich das DAS recht unnatürlich an. Ein System namens Active Lane Tracking, das das Kurvenverhalten, durch gezielte Bremseingriffe noch agiler machen soll, verstärkt den Effekt. Es funktioniert zwar gut, man spürt förmlich, wie der Q50 in die Kurve hineinbremst, aber wie das DAS wirkt es losgelöst von den eigenen Eingaben am Lenkrad.

Aber auch ohne DAS ist der Q50 ein begehrenswertes Auto. Dann kostet der Diesel auch nur 34.350 Euro. Technikfreunde müssen den Q50 mindestens in der Premium-Ausstattung ordern (36.950 Euro) und 1 000 Euro für das Lenkkomfort-Paket anlegen. Oder gleich die Ausstattung Sport für 41 480 Euro nehmen. Da ist DAS immer inklusive, wie natürlich auch im Hybrid, der 51.356 Euro kostet. Der bietet dann neben einer sehr umfangreiche Ausstattung wirklich alles, was das Herz des Ingenieurs begehrt. Und überdies noch eine ordentliche Portion Fahrspaß.

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