Kia Soul EV – das ganz besondere E-Auto

Die elektrische Reichweite ist bemerkenswert, der Preis ist es auch, die Ausstattung des Kia Soul EV sogar ungewöhnlich. Mit bis zu 14 Stunden an der heimischen Steckdose erzielt das E-Auto eher einen Langzeitwert.

Pfiffiger lässt sich ein vorlauter Beifahrer wohl nicht abstrafen: Schnell mal die Driver-only-Taste gedrückt, schon kommt der unliebsame Fahrgast im Soul EV je nach Wetterlage ins Frieren oder Schwitzen. Das einzigartige Klimakunststück, das alle Luftströme im Auto auf den Platz am Volant konzentriert, dient allerdings weniger dem Seelenfrieden des Fahrers als vielmehr der Reichweite der kantigen koreanischen Kilowattfuhre. 212 Km verspricht Kia für sein erstes Elektroauto, das weltweit verkauft wird. Damit toppt der gegenüber dem herkömmlichen Soul leicht geglättete, generell zweifarbige EV deutsche Modelle wie den BMW i3 oder den Opel E-Ampera. Und das gilt auch für den preis. Zum Verkaufsstart im November werden 30.790 Euro aufgerufen. Darin eingeschlossen eine beinahe luxuriöse Komplettausstattung einschließlich Acht-Zoll-Infotainmentsystem mit Navi und sieben Jahre Garantie, die auch die Batterien nicht ausspart. Das hat kein anderes Elektroauto dieser Preisklasse zu bieten.

Die punktgenaue Pilotenklimatisierung ist freilich nur eines von vielen technischen Details, die dem Elektro-Kia einen nicht nur für Pendler akzeptablen Aktionsradius bescheren. Um die Akkus zu schonen, sorgen eine ausgeklügelte Lufteinlass-Steuerung und eine Wärmepumpe für stets wohlige Temperaturen in der Fahrgastzelle. Selbstverständlich wird auch Bremsenergie zurückgewonnen und in Strom verwandelt (Rekuperation). Im Kia kann unter drei Stufen gewählt werden. Die Batterien selbst (Lithium-Ionen-Polymer) verfügen über eine hohe Energiedichte und damit im Verhältnis zu ihrer beachtlichen Kapazität (27 kWh) über eine relativ niedriges Gewicht. Alles in allem sind es aber immer noch knapp sechs Zentner (282 Kilogramm), die crashsicher und platzsparend im Unterboden untergebracht sind. So gibt es am Raumangebot des unverändert 4,14 Meter kurzen, aber hoch aufgeschossenen Fünftürers nur wenig Abstriche. Die Beinfreiheit für die Hinterbänkler ist nicht mehr ganz so üppig wie beim konventionellen Schwestermodell, aber völlig ausreichend. Im Gepäckabteil ist das Unterflurfach weggefallen. Damit verringert sich das Kofferraumvolumen von 354 auf 281 Liter. Nach wie vor kann durchgeladen werden. Dann wächst der Stauraum auf 891 Liter (bis Fenster-Unterkante).

Zwar ist die amtliche Reichweitenermittlung von Elektroautos ähnlich praxisfremd wie die Verbrauchsbestimmung von Verbrennungsmotoren, doch hat der Soul bei ersten Fahrtests keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass er im Alltagsbetrieb ohne Zittern und Bangen rund 160 Kilometer abspulen kann, ehe er an die Steckdose muss. Und dabei sind weder Verzicht noch Eingewöhnung gefordert. Der Soul EV ist so einfach zu bedienen und zu fahren wie ein ganz normales Automatikauto. Neu ins Spiel kommt allein der typische Elektro-Spaßfaktor, der aus nahezu lautloser und herrlich linearer Kraftentfaltung des Antriebs erwächst. 110 PS leistet Kias Permanent-Synchronmotor, der schon mit der ersten Umdrehung ohne jegliches jaulen bullige 285 Newtonmeter Drehmoment abdrückt. Damit ist der wendige und alles in allem auch komfortable (an der Hinterachse vielleicht etwas zu hölzern gefederte) Soul wieselflink unterwegs. Die Elektrofuhre aus Gwangju (Südkorea) meistert den Standartsprint in 11,2 Sekunden. Bei 145 km/h stellt die Steuerelektronik den Vortrieb ein. Die Geräuschdämmung dieses Autos ist Spitze.

Auch das Interieur kann sich sehen lassen. Schon auf dem kleinen Bildschirm (3,5 Zoll) zwischen den Rundinstrumenten werden neben den üblichen Anzeigen Infos zum aktuellen Stromverbrauch und Ladezustand des Akkus eingeblendet, der große Touchscreen (8,0 Zoll) auf der Mittelkonsole gibt unter anderem auch Auskunft über den Radius der Restreichweite und die nächsten Ladestationen. Sollte dies glücklicherweise eine 100kw-Gleichstrom-Ladestation sein, denn es gibt sie kaum, dauert es nur 25 Minuten, bis die Akkus auf 80 % aufgeladen sind. An der Steckdose daheim steht eine verdammt lange Fahrpause von zehn bis vierzehn Stunden bevor.

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