Renault Espace – ein rollender Wintergarten

In keinem Auto sitzt man heller. Schließlich sind mehr als sieben Quadratmeter der Außenhaut aus Glas – wenn man denn gegen einen Aufpreis von 1.600 Euro das große Panoramaglasdach mitbestellt. Nicht nur Kinder lieben das, weil die Welt da draußen doch so viel zum Entdecken bereithält.

Ein Familienauto war der Espace schon immer. Er galt nach seinem Erscheinen vor 29 Jahren als das Mama-Mobil schlechthin. Und er war Europas einzige Antwort auf den US-Van Chrysler Voyager. Beiden war gemein, dass sie mehr waren als langweilige Kombis. Schließlich gab es die Großraumlimousinen mit bis zu sieben Sitzen, von denen fünf recht einfach umklappbar waren. Zudem bot diese damals neue Art von Autos eine hohe Sitzposition und zahlreiche Ablagen. Außerdem ließen sie sich nach Ausbau der hinteren Sitze schnell zu einem Kleintransporter umfunktionieren.

Nach der gerade erfolgten Verjüngungskur fährt der Espace nun das neue Familiengesicht mit dem großen Rautenlogo im Zentrum spazieren. Außerdem drosselten die Techniker seinen Durst im Schnitt um 19 Prozent, vor allem durch zahlreiche Maßnahmen am Dieselmotor. Im Praxistest war der neue Normverbrauch von 5,7 Litern auf 100 Kilometern zwar nicht ganz erreichbar, doch ein so großes und mit 173 PS auch recht starkes Auto mit rund sieben Litern zu bewegen, ist in Ordnung. Wobei die Bewegung in einem Espace anders erlebbar als in einem Normalauto. Da ist zum Beispiel die erwähnte hohe Sitzposition, die Souveränität vermittelt. Der recht leise Dieselmotor verleitet zum Gleiten, die Automatik schaltet früh hoch.

Zum Fahrerlebnis gehört auch die ungewöhnliche Anordnung des Armaturenbretts, seit jeher eine Marotte des Espace. Statt vor den Augen des Fahrers liegen Digitaltacho, Bildschirm fürs Navi und die Rückfahrkamera oder Drehzahlmesser in einer Kuhle in der Mitte des Armaturenbretts. Darüber ein schützendes Dach, das beim Ampelstopp zitternd die Vibrationen des Motors verrät.

Bei Überlandfahrten überzeugt die leichtgängige Lenkung des in der Langversion gut 4,90 Meter messenden Espace. Prädikat besonders komfortabel, aber trotzdem mit ausreichend Rückmeldung und schnellem Ansprechen in Kurven. Dazu passt das sanfte Fahrwerk.

Der Ober-Espace mit dem Namen Initiale, der sich dem Test stellte, kostet fast 48 000 €, verwöhnt aber auch mit einer Topausstattung. Ob Ledersitze oder Alu-Räder, Tempomat oder Navi, LED-Tagfahrlicht oder Klimaautomatik – alles ist inklusive. So ist er doch günstiger als ein gleich starker, gleich großer und ähnlich mit Extras voll gestopfter VW Sharan.

Einem Problem aber kann Renault mit dem renovierten Flaggschiff nicht davonfahren. Dem Espace ist die Zielgruppe abhanden gekommen. Fragt man Marketingstrategen, sind es Geschäftsleute mit Bedarf an hohem Nutzwert und Familien mit mehr als zwei Kindern. Aber: Die SUV, wie Range Rover Sport haben den Großraum-Limousinen die Kunden abgeluchst und sind bei Geschäftsleuten gefragt. Und: Immer weniger Familien, die sich so ein teures Auto leisten können, zählen heute mehr als drei Kinder.

Trotzdem: Surfer, Schlauchbooteigner, aber auch Pferdebesitzer könnten sich mit dem espace anfreunden. Immerhin steht ein Zuggewicht von mehr als 4 000 Kilogramm im Datenblatt.

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