Der Kampf gegen Korruption in Russland – Eine step by step Lösung

Russland kämpft immer noch damit das korrupte Erbe der Sowjet-Vergangenheit abzulegen. Manche Unternehmen haben es sich zum Ziel gemacht Schritt für Schritt die immer noch vorherrschenden informellen korrupten Praktiken innerhalb der Unternehmenskultur zu beseitigen. Ein schwieriges und zum Teil riskantes Vorhaben…

Erst letztes Jahr war Russland im Index der Transparency International– einer internationalen Organisation gegen Korruption- erneut unter den korruptesten Ländern weltweit aufgelistet, wie auch schon 2011. Korruption und informelle geschäftliche Praktiken stehen in Russland auf der Tagesordnung. Durch die Globalisierung sehen sich aber auch russische Unternehmen und Firmen, die in Russland einen Standort haben und von dort aus arbeiten, vor allem durch ihre Investoren dazu gezwungen gegen die Korruption zu kämpfen – ein schwieriger und steiniger Weg.

Die russische Wirtschaft ist aber sowohl Opfer als auch Feind, denn auch in hohen Ämtern werden Schmiergeld und Bestechungsgelder angeboten und angenommen und bestechliche Beamte bilden das Rückgrat der Gesellschaft. Dadurch werde die Bildung und Verbreitung informeller geschäftlicher Praktiken, die durch die freie Marktwirtschaft zusätzlich begünstigt werden, bestärkt. Langsam aber scheint sich das Blatt zu wenden: Sowohl internationale, als auch russische Unternehmen verstehen, dass sie in den eigenen Sphären daran arbeiten müssen anti-korrupte Strategien zu entwickeln, um möglichst gewinnbringend handeln und um ihr volles Potential nutzen zu können.

Kampf gegen Korruption

In der erst kürzlich erschienenen Studie Doing Business in Russia (Informal Practices and Anti-Corruption Strategies) versuchen die Autoren Stanislav Shekshnia, Professor an der INSEAD Business School, die unter anderem Lehrgänge zu Corporate Governance anbietet, und Alena Ledeneva, Professorin der Politik- und Gesellschaftswissenschaften am University College London, das Problem der Korruption in Russlands Wirtschaft näher zu beleuchten. Laut Shekshnia sei es quasi unmöglich die gesamte Korruption in Russland zu bekämpfen, da diese in so vielen Bereichen verankert ist. Unternehmen, die versuchen diese zu bekämpfen, arbeiten vielmehr daran die größten Risiken ihrer Branche zu analysieren, die durch Korruption hervorgerufen werden. So sind die Risiken eines großen Erdöl-Unternehmens beispielsweise Schmiergelder, oder ein Interessenskonflikt der CEOs.

Bleibt Korruption ein Problem?

Aber nicht alle Manager und Vorstandsmitglieder sind bereit sich zu ändern. Laut der Doing Business in Russia Studie glaubt immer noch ein relativ großer Teil, dass Korruption langfristig gesehen wirtschaftliche Vorteile bringt und daher nicht bekämpft werden sollte. Andere russische Unternehmer tun so, als wäre Korruption in Russland kein Problem und eine weitere Gruppe an CEOs erkennt zwar die gravierenden Probleme der Korruption, weiß aber nicht, wie sie dagegen vorgehen sollten.

Professor Stanislav Shekshnia weist aber auch auf das stärkere Bewusstsein vieler Unternehmer hin, die Korruption als größtes Problem ihres Unternehmens sehen und versuchen diese zu bekämpfen, beziehungsweise an dieser zu arbeiten, so wie auch in anderen Bereichen, wie Sales und Produktion gearbeitet wird. Das sind jene Unternehmen, bei denen dann auch Resultate feststellbar sind. Angestellte, Stakeholder und CEOs arbeiten in solchen Unternehmen eng zusammen, um dieses besondere Problem in den Griff zu bekommen – ein stetiger und harter Kampf, der in Russland wohl noch Jahrzehnte dauern wird, aber auch in vielen anderen Ländern ein Problem ist, das nur schwer zu beseitigen ist.

Keine Toleranz

Shekshnia gab in diesem Zusammenhang eine Firma an, die namentlich nicht genannt werden wollte. Diese hat bereits kurz nach der Firmengründung und den ersten Erfolgen festgestellt, dass sie der Korruption den Kampf ansagen müssen, damit der Erfolg langfristig gesehen erhalten bleibe. Hierfür mussten Risiken identifiziert werden- wie etwa die vielen angebotenen Schmiergelder, die es abzulehnen galt. Strenge Regeln wurden entwickelt, alle Mitarbeiter geschult und Hotlines wurden eingerichtet, um bei Problemen auch einen Ansprechpartner zu haben, mit dem man sich beraten könne. Ziel war es nicht innerhalb von drei Jahren ein korruptionsfreies, sondern ein schmiergeldfreies Unternehmen zu werden und dadurch auch international an Ansehen zu gewinnen.

Shekshnia ist außerdem der Meinung, dass in der Wirtschaft schneller Erfolge gegen die Korruption in Russland sichtbar seien als in staatlichen Institutionen und der Regierung, um die noch immer viele Gerüchte diesbezüglich herrschen. Präsident Putin soll aber auch schon den Rauswurf des russischen Verteidigungsministers Serdjukov letztes Jahr genutzt haben, um eine medienwirksame Anti-Korruptionskampagne zu inszenieren. Wichtig sei aber, dass die Regierung Unternehmen in ihrem Anti-Korruption Vorhaben unterstützt und sie nicht daran hindert hier die nötigen Schritte einzuleiten. Für CEOs und Manager sei es ein großer Schritt und ein großes Vorhaben daran zu arbeiten, illegale Schmiergelder aus den Geschäften zu verbannen, aber es sei möglich und notwendig, um internationale Wirtschaftsbündnisse zu stärken und zu ermöglichen. Erst dadurch könne die Weltmacht Russlands auch wirtschaftlich korrekt genutzt werden und konkurrenzfähig sein.

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