Zwischen Westen und Osten: Wie verschiedene Kulturen effektive Führungskräfte wahrnehmen

In einem globalisierten Arbeitsumfeld ist es inzwischen normal geworden, dass multinationale Teams zusammenarbeiten. Und ob die Führungskraft “westlich” oder “östlich” ist, kann auch die Art und Weise der Kommunikation mit den Mitarbeitern beeinflussen. Werden kulturelle Unterschiede zu groß, nicht verstanden und die Auseinandersetzung damit nicht gefördert, kann die Kommunikation mühsam sein und zu Problemen führen. Zudem herrschen je nach Land und Kultur andere Erwartungen gegenüber dem Management und Mitarbeitern.

Kulturelle Unterschiede als wichtiger Aspekt im Arbeitsumfeld

Wie man kommuniziert, wahrnimmt und interpretiert, ist kulturell geprägt. Was aber kann das für das multinationale Arbeitsumfeld bedeuten? Gewisse Verhaltensweisen könnten missverstanden werden: So wird Schüchternheit in machen Kulturen als unhöflich verstanden, in anderen wiederum gehört sie zum guten Ton. Was heißt das aber für die Führungskraft eines solchen Teams? Personen in leitenden Funktionen müssen im Stande sein die kulturellen Unterschiede im Team wahrzunehmen und auf diese einzugehen. Werden verschiedene Kulturen verstanden und lernen Teammitglieder mit diesen umzugehen, können sie zu einem großen Vorteil eines Unternehmens werden, vor allem was die Innovation und Kreativität bei Problemlösungen betrifft. Personen in leitenden Positionen müssen daher wissen, wie sie mit den Teammitgliedern je nach kulturellem Hintergrund umzugehen haben.

Der Teufel steckt im Detail

Caroline Rook stellte in einem Aufsatz, der an der INSEAD Business School im Rahmen des Lehrgangs für Leadership verfasst wurde, fest, dass man zwei Führungsstile deutlich voneinander unterscheiden kann: In „Global Leaders East and West – Do All Leaders Lead in the Same Way?“ unterscheidet sie deutlich zwischen dem westlichen und den östlichen Führungsstil. Auch wenn beiden Stilen gemeinsame Eigenschaften zugrunde liegen, werden sie nach ganz unterschiedlichen Mustern ausgeführt.

Um dies festzustellen, analysierten Rook und ihre Co-Autorin Anupam Agrawal die aus GELI (Global Executive Leadership Inventory) hervorgehenden Daten. GELI liefert das sogenannte 360-Grad Feedback mit den 12 Dimensionen des Leadership, um die Leistung der Führungskräfte zu evaluieren. Diese Dimensionen umfassen ein breites Spektrum an fachlichen Eigenschaften der Manager wie Verlässlichkeit, Team Building Fähigkeit und Evaluierung der Mitarbeiter, aber auch an persönlichen Eigenschaften wie Stressresistenz oder Work-Life-Balance. Rook hat die Ergebnisse der GELI Evaluierung von 1748 Vertretern des mittleren und höheren Managements aus 128 verschiedenen Ländern inklusive des Inputs von über 13000 Beobachtern dieser Vertreter analysiert und verglichen.

Die Ergebnisse der Studie sind entgegen allen Erwartungen sehr eindeutig gewesen. Vor allem in Bezug auf vier von zwölf Dimensionen konnten starke Divergenzen beobachtet werden- darunter Gestaltungs- und Koordinationsfähigkeit, emotionale Intelligenz und Stressresistenz. In diesen Kategorien sei der Unterschied zwischen West und Ost am ehesten erkennbar. Zudem wurden in diesen vier Kategorien die östlichen Führungskräfte besser eingestuft, als ihre westlichen Kollegen.

Was zählt, sind die Emotionen

Laut Rook sind die besseren Ergebnisse in den vier Kategorien noch nicht für eine These ausreichend, obwohl der östliche Führungsstil generell als effektiver bewertet wurde. Außerdem misst die GELI Evaluierung, wie diese Qualitäten von Managern nach Außen gezeigt werden. Die Ergebnisse der Studie sind auch in Bezug auf emotionale Intelligenz nicht repräsentativ, denn Manager, die den östlichen Führungsstil pflegen, sind nicht unbedingt empfindsamer oder einfühlsamer als ihre westlichen Kollegen. Im Alltag ausschlaggebend sind bei Führungskräften und im Team die sogenannten Softskills im Arbeitsumfeld, die den Arbeitsalltag erleichtern und die Zusammenarbeit fördern. Im Arbeitsumfeld ausschlaggebend ist nämlich nicht, wie man intensiv Emotionen zeigt, sondern inwieweit man diese erkennen und lenken kann.

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